Beim sogenannten "Kaiserstein", diesem geschichtsträchtigen Standort auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe, sollte 20 Jahre nach der Errichtung eines Geschäftes und eines Restaurants eine Aussichtswarte entstehen. Der neue Baukörper bedient sich des bestehenden, aus Natursteinen errichteten Flachbaues als Plattform. Die Bestandskubatur wird als Teil der Geländeformation angesehen. Der neue Baukörper in Form eines Kristalls durchdringt diese Geländeformation. Die Aussichtswarte ist daher nicht nur aus Stein gebaut - sie ist selbst "Stein". Dadurch wird nicht nur der Symbolik des Standortes, des "Kaisersteins" Rechnung getragen, sondern auch der Tatsache, dass in den Hohen Tauern der Bergkristall jener Edelstein mit besonderem Symbolgehalt ist. Zudem ist festzuhalten, dass die Firma Swarovski als Förderer des Nationalparks den Großteil der Mittel zur Errichtung dieses Objektes zur Verfügung gestellt hat. Grundidee des Gebäudes war es, für die Besucher der Großglockner Hochalpenstraße und des Nationalparks einen witterungsgeschützten, transparenten Raum zu schaffen, um in Ruhe die einmalige Hochgebirgslandschaft des Großglocknermassivs betrachten zu können, und durch gezielte Information im Inneren, Wissen zu vermitteln. Das Objekt besteht aus vier Ebenen, wobei das Erdgeschoß und das erste Obergeschoß fast zur Gänze geschlossen sind. Dennoch dringt Licht durch die transparenten Fassaden der oberen Geschoße über die offenen Lufträume in die Mitte des Kristalls bis in das Erdgeschoß. Hier und im ersten Obergeschoß wird der Besucher darauf eingestimmt, was er in den völlig aufgeglasten Obergeschoßen an Naturerlebnissen mittels Präzisionsgeräten der Firma Swarovski Optik beobachten kann. Obwohl diese Bauaufgabe bei extremen klimatischen Bedingungen (1.000 kg Schneelast - enorme Windkräfte - Eis und Hitze) höchsten Ansprüchen hinsichtlich Konstruktion und Detailgenauigkeit gerecht werden musste, wurden für die Primärkonstruktion und auch für wesentliche Teile des Innenausbaues der Baustoff Holz verwendet.
Fotos: Nationalpark Hohe Tauern, DI Herbert Rupitsch, Alois Lammerhuber, Arch. Herwig Ronacher