Die bauliche Entwicklung am Weissensee seit der Nachkriegszeit zeigt im Gegensatz zu anderen Tourismusregionen ein hohes Maß an Kontinuität trotz reger Bautätigkeit. Große Bausünden blieben den Orten rund um den Weissensee erspart. Diese Situation stand im Mittelpunkt der Entscheidung, welche Architektur umgesetzt werden sollte.
Die Entwurfsidee des Weißensee-Hauses ist gekennzeichnet durch die Auflösung des vorgegebenen Raumprogramms in zwei Baukörpern (von denen einer teilweise bestand), welche einen unteren „Vorplatz“ sowie einen zentralen Dorfplatz für Veranstaltungen in der Mitte zwischen den beiden Häusern definieren. Die Schaffung zweier Baukörper ermöglichte somit einerseits Baukubaturen und Proportionen, die dem Ortsbild gerecht werden und andererseits die Ausformung eines zentralen Platzes als gut nutzbares Zentrum. Ein solcher Platz fehlte bislang am Weissensee.
Die architektonische Grundhaltung ist bestimmt durch die Verbindung von archaisch-ländlichen Architekturelementen mit schlichter, luftiger Holzbauweise als bewusst eingesetztes Stilmittel der Seearchitektur.
Die bestehende Kubatur des Hauptgebäudes wurde in Untergeschoß und Erdgeschoß im Wesentlichen adaptiert. Ab dem 1. Obergeschoß wurde der alte Baukörper verschmälert, dadurch entstand eine neue Firstlinie als Achse mit schlankerem Giebel für den Hauptbaukörper. Der neue Veranstaltungssaal bildet den südlichen Abschluss des Hauptbaukörpers, dessen Satteldach bis zur Bühnenvorderfront weiter geführt wurde. Dadurch war innenräumlich die Ausbildung einer Zweigeschoßigkeit des Saales mit Galerie und einem von der Galerie abtrennbaren Seminarraum möglich. Im Westen begrenzt der zweite, schlanke, längsgestreckte Baukörper den Platz. Hier befinden sich ein Stehcafé und die Tourismusinformation.
Über die breite Treppe von Norden und vom Parkplatz im Süden erreicht man über den zentralen Platz und in der Folge über großzügig überdachte Freibereiche den Windfang und das Foyer zum Veranstaltungssaal mit Luftraum und Galerie. Der trapezförmige Saal lässt sich durch die Miteinbeziehung der Galerie (= Seminarraum) im Obergeschoß auf zirka 270 m² erweitern, zudem besteht die Möglichkeit, den zentralen Foyerbereich mittig zu öffnen und die Raumkapazität mit Sicht auf die Bühne auf insgesamt zirka 360 m² zu vergrößern. Die Westfront des Saales ist mit zwei Türen ausgestattet, sodass im Sommer auch eine Miteinbeziehung des Platzes für Veranstaltungen gegeben ist. Alle Neubauteile sind fast ausschließlich in Konstruktiven Holzbau errichtet worden.
Fotos: Christian Theny (5), Arch. Herwig Ronacher (1)